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LEICHTE NUTZFAHRZEUGE

Erstellt von Yvonne Simon, kfz-betrieb 37-38/2021 |

Hey, ihr Kleinen!

Mehrere junge Hersteller bringen elektrische Kleinsttransporter auf den Markt. Für Autohäuser können sie ein interessantes Zusatzgeschäft sein – denn der Bedarf an den Fahrzeugen wächst.

Umweltbonus für Tropos

Ein Fahrzeug, das hingegen seit Kurzem auf der Förderliste des BAFA aufgeführt ist, ist der Tropos Able, der sowohl in der L7E- als auch in der N1-Klasse zugelassen werden kann. Nach Abzug des Umweltbonus in Höhe von 9.000 Euro beträgt der Einstiegspreis noch 18.000 Euro. Tropos Motors ist ein Tochterunternehmen des Fahrzeuglogistikers Mosolf. Für den Aufbau der Marke verantwortlich ist ein bekanntes Gesicht in der Branche: Markus Schrick war bis 2018 Chef von Hyundai Deutschland. Zwischen 2003 und 2008 leitete er die Geschäfte von Toyota in der Bundesrepublik.
Seit Mai 2020 bewegt er sich nun mit Tropos in der Start-up-Welt. Spricht Schrick über die Vorzüge des elektrischen Kleinsttransporters, ist er kaum zu bremsen. „Wir sind klein, aber groß“, beschreibt der Manager das Konzept. Genauer gesagt: Der Tropos Able ist gerade einmal 1,40 Meter breit, bietet aber ein Ladevolumen von bis zu 4,5 Kubikmetern – klassische Kastenwagen wie der Renault Kangoo können da beim Stauraum nicht mithalten. „Wir wollen die Lücke zwischen einem schweren Lastenrad und einem Transporter füllen“, so Schrick.
Dank des kleinen Wenderadius von unter vier Metern kann das Fahrzeug auch in Produktions- und Lagerhallen eingesetzt werden. Genau wie für den X-Bus gibt es mehrere Aufbauten, beispielsweise einen Koffer oder eine Pritsche mit Planen- oder Laubgitteraufbau. Mit zwei Erwachsenen und einem Schraubenschlüssel soll man sie binnen einer Viertelstunde wechseln können.
Die Reichweite des seit September letzten Jahres in Herne gefertigten Transporters beträgt je nach Batteriekapazität bis zu 260 Kilometer. Ausreichend für die Zielgruppen, ist Schrick überzeugt. Dazu zählt er Liefer- und Paketdienste sowie den Lebensmittelhandel, aber auch Industrie und Intralogistik, Städte und Kommunen sowie Handwerk, Friedhöfe und Freizeitparks. „Wir hatten bislang keinen Kunden, der sich über zu wenig Reichweite beschwert hat“, sagt Schrick. Zu den Abnehmern gehören bereits einige namhafte Unternehmen wie Wisag, Würth oder Beiersdorf.
Als jährliches Absatzziel setzt sich Tropos in Deutschland 2.500 bis 3.000 Fahrzeuge – „in einem normalen Jahr“, betont Schrick. Nun kann man bedingt durch die Corona Pandemie weder 2020 noch 2021 als normale Jahre bezeichnen. Für 2021 rechnet der Manager damit, zwischen 600 und 700 Fahrzeuge zu vermarkten. Bis Ende August standen 300 Abschlüsse in der Bilanz.

Händlernetz im Aufbau

Auch Tropos setzt im Vertrieb auf ein Händlernetz – aber nicht nur. Einige Großkunden bedient der Hersteller im Direktvertrieb. Ziel sei es dennoch, den Großteil der Fahrzeuge über die Händler zu verkaufen. „Die Händler sind der Eckpfeiler für unseren Aufbau und unsere Zukunft“, beteuert Schrick. Aktuell schließt Tropos die erste Phase im Aufbau des Netzes ab. 40 Händler sind bereits an Bord, bis Ende des Jahres sollen es 50 werden. Die Zielgröße sind zwischen 60 und 70 Partner, die Tropos bis Ende 2022 gewinnen möchte. Circa 20 Prozent der Händler sind derzeit Landmaschinenhändler, der Rest sind klassische Autohäuser. Beide übernehmen Verkauf und Service.
Mit Standards sei man zurückhaltend, „weil wir eine neue Marke mit einem neuen Produkt in einem neuen Segment sind“, so Schrick. Der Händler muss zwei Fahrzeuge vorhalten: eines im Showroom und eines als Vorführwagen. Zudem braucht er einen Verkäufer für das Fabrikat. „Das Wichtigste für uns ist aber, dass die Partner Tropos als interessantes Projekt für die Zukunft betrachten, damit Geld verdienen und Spaß daran haben“, sagt Schrick. Er wünscht sich bei potenziellen Partnern daher neben guter Erfahrung im Gewerbe- und Nutzfahrzeuggeschäft vor allem Leidenschaft für Nachhaltigkeit und Elektromobilität. Zu den ersten Tropos-Händlern gehört seit einem halben Jahr CSB Schimmel. „Tropos kam auf uns zu“, berichtet Geschäftsführer Steffen Görlitz. Das Berliner Unternehmen verkauft unter anderem die Fahrzeuge der Marke Hyundai – also von Schricks ehemaligem Arbeitgeber. Der Kontakt bestand noch. Für CSB Schimmel war die Anfrage ein willkommenes Angebot. Hyundai hatte 2018 den Transporter H350 aus dem Programm genommen, was die Perspektiven bezüglich der Werkstattauslastung eintrübte. Außerdem machen Elektrotransporter in einer Metropole wie Berlin Sinn, ist Görlitz sicher. Aus diesem Grund hatte das Autohaus bereits das chinesische Fabrikat Maxus ins Portfolio aufgenommen.
Bislang hat CSB Schimmel sieben Kleinsttransporter verkauft, unter anderem an Dienstleister im Bereich Lebensmittelauslieferung. Aktuell seien die Gewerbekunden noch nicht so ansprechbar wie vor der Corona-Krise. Sie seien nicht offen für Besuche durch den Außendienst – der Tropos Able sei aber ein Fahrzeug, das man vorführen müsse. Perspektivisch hält Görlitz einen Absatz zwischen 20 und 50 Einheiten für möglich. „Die Fahrzeuge sind vielseitig im Nahbereich einsetzbar, und die Kosten-Nutzen-Rechnung ist nicht schlecht.“ Anfangs habe es Qualitätsprobleme gegeben. So habe es etwa in den Koffer hineingeregnet. Das Problem habe Tropos aber schnell behoben.
Und lohnt sich das Geschäft? „Wenn man es richtig macht, verdient man mit den Fahrzeugen. Aber man muss natürlich auf Stückzahlen kommen“, sagt Görlitz. Tropos arbeitet anders als XBus nicht mit einem Agenturmodell. Der Händler erwirbt die Fahrzeuge und erhält eine fixe sowie eine variable Marge. Insgesamt sind bis zu 15 Prozent Gesamtmarge möglich. Ein Pluspunkt: Die Fahrzeuge sind aktuell gut lieferbar; Tropos leidet nicht unter dem branchenweiten Mangel an Halbleitern. „So viele davon gibt es in den Fahrzeugen nicht“, sagt Schrick. Künftig will Tropos für den Able weitere Varianten und Aufbauten anbieten. Neue Modelle sind zunächst nicht geplant. „Wir wollen keine größeren Fahrzeuge anbieten. Gegen die OEMs anzutreten, ist für uns nicht der richtige Weg.“
Wen Tropos stattdessen als größten Konkurrenten sieht, müsse sich noch herauskristallisieren. Einer der Hauptwettbewerber sei der französische Hersteller Goupil. „Aber im Bereich der elektrischen Kleinsttransporter – auch wenn er eine Nische ist – ist noch viel Platz. Wir müssen es erst mal schaffen, das Segment zu vergrößern“, sagt Schrick, „die Nachfrage zeigt uns, dass es ordentlich Potenzial gibt.“